Geschichte der Glocken in Altrich

zusammengestellt von Peter Binzen

die Geschichte der Glocken in Altrich - Pfarrkirche St. Andreas und die Büscheider Marienkapelle - ein Beitrag von Peter Binzen - zur Beschreibung der einzelnen Glocken bitte klickenDie Pfarrkirche auf Gut Kirchhof (um 1880 abgerissen) soll 1569 3 Glocken besessen haben; vor dem Abriss hingen noch 2 Glocken in ihrem Turm. 1840 erhielt Pfarrer Klinkhammer die Erlaubnis, eine Glocke in der Filialkirche in Altrich einzuweihen. Diese Kapelle war dem hl. Quirinus geweiht und wurde nach dem Neubau der jetzigen Pfarrkirche abgerissen. Am 19. April 1896 beschloss der Kirchenvorstand die Anschaffung zweier neuer Glocken, was auch in einem Schreiben des Generalvikariats vom 8. Mai 1896 genehmigt wurde. Man kann davon ausgehen, dass von da an 3 Glocken vorhanden waren; denn nach einer Bescheinigung des Bürgermeisters von Wittlich-Land aus dem Jahre 1922 sind zwei Glocken mit einem Gesamtgewicht von 691 kg im Jahre 1917 (während des 1. Weltkriegs) abgeliefert worden, während die dritte von 210 kg offensichtlich nicht abgeliefert zu werden brauchte (Bescheinigung vom 2. 8. 1917). Zu dieser einen verbliebenen Glocke kam 1920 eine zweite hinzu, die aber schon in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegossen worden war. Verzeichnisse aus den Jahren 1927 und 1941 führen jene beiden Glocken auf:

Eine Glocke (210 kg schwer, Durchmesser 83 cm, Ton c), die von der Glockengießerei Mabilon aus Saarburg im Jahr 1896 gegossen und geliefert wurde, mit der Aufschrift 'VENITE POST ME. VIRGA TUA ET BACULUS TUUS IPSA ME CONSOLATA SUNT (Folgt mir nach. Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht)'

Die 2. Glocke (Durchmesser 91 cm, Ton a), ebenso von der genannten Glockengießerei geliefert (192O), jedoch schon 1882 oder 1884 gegossen, mit der Aufschrift 'CHRISTO CONFIXUS SUM CRUXI (Ich bin mit Christus am Kreuz gestorben)'

Nach dem Verzeichnis von 1941 besaß die Kapelle in Büscheid seit dem Jahre 1907 (also schon ein Jahr nach ihrer Erbauung) eine 37 cm und eine 40 cm große Glocke. Am 25. 2. 1942 wurden die größere Glocke der Büscheider Kapelle, am 14. 3. 1942 die a-Glocke und am 11. 9. 1943 die c-Glocke der Pfarrkirche ausgebaut und vom Staat konfisziert ('belli causa' = aus Kriegsgründen), d. h. eingeschmolzen zur Herstellung von Kriegsgerät. Die verbliebene kleine Glocke in der Büscheider Kapelle wurde in den Turm der Pfarrkirche gehängt und rief mit einem für die Größe unserer Pfarrkirche etwas kläglichen Ton die Menschen bis 1949 zum Gottesdienst. 1949 erhielt die Pfarrkirche ein neues Geläute (am 5. 8. 49 um 0.30 Uhr in der Glockengießerei August Mark & Sohn in Brockscheid gegossen und am 11. 9. 1949 geweiht) mit folgenden Glocken:

Andreasglocke (Durchmesser 98 cm, Ton gis', 625 kg) mit der Aufschrift 'A.D. 1949 NICOLAO PALZER PAROCHO IN ALTRICH, ANDREAS VOCOR VOCO VOS VENITE AD SACRA, FUDIT ME AUG. MARK U. SOHN IN BROCKSCHEID, PRO ECCLESIA PAROCHIAlI IN ALTRICH (Im Jahr des Herrn 1949, Nikolaus Palzer, Pfarrer in Altrich. Ich heiße ANDREAS, ich rufe euch, kommt zum Gottesdienst. Es hat mich gegossen Aug. Mark u. Sohn in Brockscheid für die Pfarrkirche in Altrich)

'Marienglocke (Durchmesser 82 cm, Ton h', 362,5 kg) mit der Aufschrift 'ORA PRO NOBIS SANCTA DEI GENETRIX (Bitte für uns heilige Gottesgebärerin)', daneben Namen der Glockengießerei, Jahr und Pfarrei

Engelglocke (Durchmesser 73 cm, Ton cis'', 275 kg) mit der Aufschrift 'BENEDICTE DOMINUM OMNES ANGELI EIUS (Preist den Herrn all seine Engel)', daneben Namen der Glockengießerei, Jahr und Pfarrei.

Die kleine Glocke aus der Büscheider Kapelle wurde wieder zurückgegeben. Von den im Jahre 1949 geweihten Glocken ist nur noch die Andreasglocke erhalten. In den Jahren 1959/60 kam eine schwerere Glocke hinzu und wurde die Marienglocke durch eine andere ersetzt. Schließlich wurde die Engelglocke 1986 umgegossen, sodass das heutige Geläute vier Glocken umfasst:

Christusglocke (Durchmesser 109 cm, Ton f' , 800 kg)
Andreasglocke
(oben beschrieben)
Marienglocke
(Durchmesser 84 cm, Ton b',400 kg)
Engelglocke
(Durchmesser 76 cm, Ton c'', 275 kg)

Im Jahre 1955 erhielt die Büscheider Kapelle wieder eine 2. Glocke sodass jetzt zwei Glocken in dem kleinen Glockenturm hängen:

Marienglocke (Durchmesser 46 cm, Ton g'', 60 kg, 1955 gegossen)
Johannesglocke
(Durchmesser 37 cm, Ton b'', 38 kg, 1907 gegossen)

Seit alters her rufen die Glocken in Altrich nicht nur durch zweimaliges Läuten zu den Gottesdiensten (¾ Stunde vor Beginn Läuten mit einer Glocke, ¼ Stunde vor Beginn mit mehreren Glocken) sondern auch als "Bet-Glock" morgens, um 12 Uhr mittags und abends. Viele jungen Leute wissen wohl nicht mehr, dass dies eine Aufforderung zum Beten des Engel-des-Herrn bedeutet, wobei das dreimalige Beten des Gegrüßet-seist-du-Maria durch dreimaliges, von Pausen unterbrochenes Anschlagen einer Glocke angekündigt wird. Ehemalige Messdiener und Küster mögen sich noch an das Läuten mit Seilen erinnern, wobei das kurze Anschlagen nicht so ganz einfach zu erzielen war. Bei der Umstellung auf ein elektrisch betriebenes Läutewerk in unserer Pfarrkirche (im Jahr 1959) wurde diese Tradition beibehalten, wobei ein Hammer die Glocke anschlägt, der sowohl von der Sakristei als auch von der Orgel aus in Betrieb gesetzt werden kann, sodass er auch während der Wandlung vom Organisten betätigt werden kann.

 

 
 

 

 


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