| Nicht
nur zur Weihnachtszeit...
lautet der Titel einer Erzählung von Heinrich Böll,
die auch gekonnt verfilmt wurde. Mir ist dabei besonders aufgefallen,
wie sehr ein Mensch sich an einer Gewohnheit festmachen kann – und
dann im Extremfall, wie in der Erzählung, Sklave seiner selbst wird und
andere ebenfalls versklavt. Unser Dogmatikprofessor fragte uns einmal,
was wohl die Kernaussage der christlichen Botschaft sei bzw. worauf sie
abziele. Es gab viele und auch richtige Antworten, soweit ich mich
erinnere, aber eine Antwort, ein "Begriff" steht mir noch sehr
deutlich vor Augen: die FREIHEIT. Christus hat uns Gott als den
barmherzigen, guten Vater nahe gebracht, der durchaus auch zornig wird
über die Sünde, das Unrecht in der Welt, über Leid und Tod. Dieser
Gott hat uns, hat den Menschen in der Schöpfung in Freiheit
entlassen und uns die Welt und das Leben anvertraut. Aber wir Menschen
suchen oft einen anderen Weg: den der Beliebigkeit, wo wir uns von
unseren Stimmungen und Wünschen manchmal einfach treiben lassen; wo
andere dann "die Kastanien für uns aus dem Feuer holen
sollen"; wo jeder nur auf sich schaut und seinen Teil zu regeln
versucht, aber die anderen oft aus meinem Blickfeld herausfallen; wo das
eigene Glück und die Erfüllung meiner Wünsche oberstes Prinzip und
Gesetz sind; wo Gott dann zu einem Erfüllungsgehilfen degradiert wird,
der gefälligst alles Negative von uns fernzuhalten hat und der sich um
das Funktionieren der Welt kümmern soll – ohne uns dabei groß zu
stören. |
Als Christen feiern wir auch dieses Jahr wieder
Weihnachten als die neue Geburt Jesu ins Heute – nicht nur ein
schönes und gefühlvolles, von vielen Lichtern durchflutetes Fest. In
der Nachfolge Jesu wird deutlich, was auch das Weihnachtsbild dieses
Pfarrbriefes gut aufzeigt: da sehen wir die wunderbare und nicht
begreifbare Geburt des Gottessohnes – aber da ist auch schon der Weg
vorgezeichnet, der durch alle menschlichen Höhen und Tiefen führt –
bis hin zum Kreuz. Ein Skandal, ein Ärgernis, das wir oft nicht mehr
spüren oder wahrhaben wollen. Es soll ja immer so weitergehen: der
Weihnachtsbaum, die Lieder, das süße Gebäck, die zu Herzen gehende
Stimmung .... nicht nur zur Weihnachtszeit ! – Oder geht es doch um
etwas anderes?
Ich danke allen ganz herzlich, die sich im Laufe
dieses zu Ende gehenden Jahres in unseren drei Pfarreien engagiert haben
– und wünsche Ihnen allen, auch im Namen des Pastoralteams, der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Pfarrgemeinden
GNADENREICHE WEIHNACHTEN
und GOTTES SEGEN
FÜR
DAS JAHR 2003 !
Ihr/Euer Pastor
P. Heinz Schneider SVD
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