Liebe Gemeinde!
Jetzt sind wir wieder in der Adventszeit. Mit dem
Advent beginnt von neuem der Lauf des Kirchenjahres: Wir bedenken
entlang der Station des Lebens Jesu das Fundament unseres Glaubens –
ausgespannt zwischen Geburt, Begegnungen, bis zum Tod und zur
Auferstehung – und wir werden in dieses Geschehen hineingenommen. Im
Mitvollzug des Kirchenjahres dürfen wir unser Leben deuten als ein
Leben unter den liebenden Augen Gottes.
Das Wort "Advent" kommt vom lateinischen adventus,
d.h. Ankunft. Gemeint ist damit die Ankunft des Herrn Jesus
Christus. Für uns Christen ist die Adventszeit zum einen die
Vorbereitungszeit auf Weihnachten, die Feier der Geburt Jesu, und zum
anderen aber auch die Zeit der Erwartung der endzeitlichen Ankunft
Christi. Um die Adventzeit haben sich viele Bräuche entwickelt. Die
meisten Adventsbräuche dienen der Vorbereitung auf das Weihnachtfest,
z.B. Adventkerzen, Adventkranz, Adventkalender, Engelsamt,
Barbarazweige. Es gibt aber auch einige vorchristlichen Bräuche zum
Wintersonnenwende, z.B. der Luziatag, oder der Knecht Ruprecht am
Nikolaustag. Trotzdem ist das Leben im Advent weit mehr als z.B. das
Anzünden von Kerzen am Adventkranz. Unser Leben ist immer im Advent.
Christliche Existenz ist vor allem Existenz auf Zukunft und Leben in der
Hoffnung.
Der Advent stellt uns vor die Frage, was wir noch
erwarten und erhoffen. Viel steht da heute im Weg. Im Blick auf
Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und das persönliche
Leben scheint Resignation oder Verzweiflung die naheliegende Antwort zu
sein. Es gab und gibt Kriege und unsere Ohnmacht. In dieser Situation
stellt uns der Advent die Frage nach unserer Hoffnung. Denn die Hoffnung
setzt uns in Bewegung, damit Neues möglich wird. Die Hoffnung lässt
uns inmitten der Traurigkeit bestehen, nicht indem wir die Augen
zumachen, sondern indem wir sie gerade öffnen für das, was dennoch
geschieht. Resignation und Angst werden sonst zu einem Gefängnis
unserer Hoffnung. Wenn wir hoffen, träumen wir nicht und vertun nicht
unsere Zeit. Wenn wir vertrauen, fliehen wir nicht vor den Aufgaben, die
der Alltag uns stellt. Denn Hoffen ist mehr als bloß Warten, mehr als
etwas nur auf sich zukommen lassen. Hoffen heißt: wach und offen durch
die Welt gehen, die kurze Spanne Zeit, die uns gegeben ist, nützen, die
kleinen Schritte gehen, die uns weiterführen, und so mitbauen an der
neuen Welt, die uns verheißen ist.
Allerdings ist Advent auch eine Chance zu einer
Unterbrechung der Mühlen des Alltags, zu einem Ausbruch aus den
Tretmühlen der Gewohnheit, die uns in einem lebensfeindlichen Trott
verfallen lassen. Advent ist eine Chance, unsere Lebensgewohnheiten zu
unterbrechen, sie zu überprüfen, ob sie tauglich sind für ein Leben
miteinander. Deshalb ist Advent keine passive Warteschleife vor einem
Fest, sondern eine aktive Inanspruchnahme der Lebenszusage Gottes. Gott
sagt dem einzelnen Heil in der Gemeinschaft zu: Das Heilsversprechen
Gottes verpflichtet den Menschen im Umgang mit sich und den Mitmenschen.
So wünsche ich uns für die Adventzeit, dass wir
trotz all der Beschäftigungen, der Hektik und der Unruhe, die diese
Wochen mit sich bringen, immer wieder Zeit für uns selbst, für unsere
Mitmenschen und damit auch Zeit für die Ankunft Jesu in unserem Leben
finden.
Ihr P. Fidelis Regi Waton SVD, Kaplan der
Seelsorgeeinheit