Gedanken zur Zeit

(erste bis dritte Adventswoche)

 

Liebe Gemeinde!

Jetzt sind wir wieder in der Adventszeit. Mit dem Advent beginnt von neuem der Lauf des Kirchenjahres: Wir bedenken entlang der Station des Lebens Jesu das Fundament unseres Glaubens – ausgespannt zwischen Geburt, Begegnungen, bis zum Tod und zur Auferstehung – und wir werden in dieses Geschehen hineingenommen. Im Mitvollzug des Kirchenjahres dürfen wir unser Leben deuten als ein Leben unter den liebenden Augen Gottes.

Das Wort "Advent" kommt vom lateinischen adventus, d.h. Ankunft. Gemeint ist damit die Ankunft des Herrn Jesus Christus. Für uns Christen ist die Adventszeit zum einen die Vorbereitungszeit auf Weihnachten, die Feier der Geburt Jesu, und zum anderen aber auch die Zeit der Erwartung der endzeitlichen Ankunft Christi. Um die Adventzeit haben sich viele Bräuche entwickelt. Die meisten Adventsbräuche dienen der Vorbereitung auf das Weihnachtfest, z.B. Adventkerzen, Adventkranz, Adventkalender, Engelsamt, Barbarazweige. Es gibt aber auch einige vorchristlichen Bräuche zum Wintersonnenwende, z.B. der Luziatag, oder der Knecht Ruprecht am Nikolaustag. Trotzdem ist das Leben im Advent weit mehr als z.B. das Anzünden von Kerzen am Adventkranz. Unser Leben ist immer im Advent. Christliche Existenz ist vor allem Existenz auf Zukunft und Leben in der Hoffnung.

Der Advent stellt uns vor die Frage, was wir noch erwarten und erhoffen. Viel steht da heute im Weg. Im Blick auf Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und das persönliche Leben scheint Resignation oder Verzweiflung die naheliegende Antwort zu sein. Es gab und gibt Kriege und unsere Ohnmacht. In dieser Situation stellt uns der Advent die Frage nach unserer Hoffnung. Denn die Hoffnung setzt uns in Bewegung, damit Neues möglich wird. Die Hoffnung lässt uns inmitten der Traurigkeit bestehen, nicht indem wir die Augen zumachen, sondern indem wir sie gerade öffnen für das, was dennoch geschieht. Resignation und Angst werden sonst zu einem Gefängnis unserer Hoffnung. Wenn wir hoffen, träumen wir nicht und vertun nicht unsere Zeit. Wenn wir vertrauen, fliehen wir nicht vor den Aufgaben, die der Alltag uns stellt. Denn Hoffen ist mehr als bloß Warten, mehr als etwas nur auf sich zukommen lassen. Hoffen heißt: wach und offen durch die Welt gehen, die kurze Spanne Zeit, die uns gegeben ist, nützen, die kleinen Schritte gehen, die uns weiterführen, und so mitbauen an der neuen Welt, die uns verheißen ist.

Allerdings ist Advent auch eine Chance zu einer Unterbrechung der Mühlen des Alltags, zu einem Ausbruch aus den Tretmühlen der Gewohnheit, die uns in einem lebensfeindlichen Trott verfallen lassen. Advent ist eine Chance, unsere Lebensgewohnheiten zu unterbrechen, sie zu überprüfen, ob sie tauglich sind für ein Leben miteinander. Deshalb ist Advent keine passive Warteschleife vor einem Fest, sondern eine aktive Inanspruchnahme der Lebenszusage Gottes. Gott sagt dem einzelnen Heil in der Gemeinschaft zu: Das Heilsversprechen Gottes verpflichtet den Menschen im Umgang mit sich und den Mitmenschen.

So wünsche ich uns für die Adventzeit, dass wir trotz all der Beschäftigungen, der Hektik und der Unruhe, die diese Wochen mit sich bringen, immer wieder Zeit für uns selbst, für unsere Mitmenschen und damit auch Zeit für die Ankunft Jesu in unserem Leben finden.

Ihr P. Fidelis Regi Waton SVD, Kaplan der Seelsorgeeinheit

 

 


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