Titel zu den Gottesdienstgedanken...

weil es halt ein zentrales Thema unseres Glaubens ist – allerdings nicht "abgehoben" von der konkreten Wirklichkeit unseres Alltags als Menschen, die HEUTE leben, und die dieses Leben aus dem Glauben gestalten wollen! Da es gerade bei der Eucharistie um eine "Gedächtnisfeier" geht, besteht natürlich die Gefahr, dass man allzu sehr nach rückwärts gewandt ist; mehr noch, dass man meint, die "exakte und wortgetreue Feier" - so wie es damals "wirklich" war - sei das A und O. Natürlich haben Riten und Traditionen auch ihr Gutes und ihre Berechtigung. Aber wenn wir uns nur daran orientieren, hat dies wenig mit dem zu tun, was Jesu mit diesem Gedächtnismahl gemeint hat. Jesus selbst hat am eigenen Leib zu spüren bekommen, was es heißt, sich gegen (starre und tote) Traditionen zu wehren und kritisch nach deren Sinn und Zielrichtung zu fragen. Er hat die bekannte jüdische Feier des Pascha dazu "benutzt", den NEUEN und EWIGEN BUND zu besiegeln. In seinem Wort und Wirken hatte er immer schon die jeweilige Situation und Wirklichkeit der Menschen nicht nur vor Augen, sondern auch bewußt angesprochen und verändern wollen. Und dies ist schon damals bei vielen seiner Zuhörer auf Unverständnis, ja Widerstand gestoßen, hat Ärgernis erregt. Aber warum? Hat er wirklich so viel Neues und Anderes verkündet und praktiziert?

 

Ja – und nein. Ja, weil er die Menschen auf das WESENTLICHE (und nicht auf Riten) hin verpflichten wollte. Und nein, weil er "lehrte ... wie einer, der (göttliche) Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten." (Mt 7,29).

Gottesdienst ist immer ein "dialogisches Geschehen" mit vielen Facetten: Dialog mit Gott, Hinhören, Schweigen und Antworten - persönlich und gemeinsam. "Sonntags sich zur Eucharistiefeier rufen zu lassen, heißt damit nichts anderes, als bereit zu sein, ‚sich in Gottesgefahr zu begeben’. Die Feier von Tod und Auferstehung Jesu formt eine Gemeinschaft, die genau von dem geprägt ist, was sie feiert ... sein Leib werden, hingegeben für das Leben der Welt." (*) Wo die Evangelien des Matthäus, Markus und Lukas von der Einsetzung der Eucharistie sprechen bringt Johannes die Fußwaschung. Er zeigt damit die enge Verbundenheit von Eucharistie und (dienendem) Leben aufzuzeigen: Ein Beispiel habe ich euch gegeben!

Das heißt für mich, je mehr es jedem von uns und uns gemeinsam gelingt, diesen Jesus von Nazareth zu begreifen, desto mehr werden wir unsere Gottesdienste "gottvoll" feiern können – Gott zu Ehren und den Menschen zum Heil.

Ihr/Euer Pastor
P. Heinz Schneider SVD

(*) Zulehner/Lobinger: Um der Menschen und der Gemeinden willen, Ostfildern 2002

 

 


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