|
Liebe Mitchristen, wenn man das Fest Fronleichnam
isoliert betrachtet, erscheint es eher fremd und
abstrakt – es hat zum Beispiel mit dem Leben Jesu
nichts mehr zu tun. Als letztes in der langen Festreihe
von Leiden, Tod und Auferstehung, Himmelfahrt,
Geistsendung und Dreifaltigkeit erweckt es den Eindruck,
als ob man, des liturgischen Feierns nicht müde
geworden, nun eben ein Motiv für ein weiteres Fest
sucht, um das Feiern noch ein wenig fortzusetzen. Andererseits kann es als eine Brücke
zwischen der Auferstehung Jesu und der Geistsendung in
unseren Alltag hinüber verstanden werden: Wir brauchen
Zeichen, etwas, das wir anfassen und be-greifen können,
um das Leben Jesu in unser Leben hinein zu übersetzen. Wir werden also nach den Hoch-zeiten
von Ostern und Pfingsten in unseren Alltag entlassen mit
etwas greifbaren in der Hand, dem eucharistischen Brot.
Bezeichnenderweise gilt das Brot in vielen Teilen der
Welt als ein Hauptnahrungsmittel, und das gemeinsame
Mahl, in dem das Brot verzehrt wird, ist ein Sinnbild
der Gemeinschaft. Im biblischen Sinn ist das Mahl also
die Vorwegnahme der endzeitlichen Fülle. Wenn wir an Fronleichnam mit der
Monstranz durch die Straßen ziehen, beziehungsweise die
Gegenwart Jesu Christi im Brot feiern, dann ist das noch
einmal wie eine Zusage, dass ER unverrückbar in den
Straßen unserer Städte und Dörfer, auf den geraden
und ungeraden Wegen unseres persönlichen Lebens mit uns
geht. Das Fest der Gegenwart Gottes geht
weiter – bis in den letzten Winkel von Raum und Zeit
hinein.
Eine Meditation: Ihr könnt
mich nicht verstehen, ihr Satten, ... Dass ich
unendlich hungrig vor einem Stückchen Brot knie. Dass ich
ein kleines Stückchen Brot innig anschaue. Dass dieses
kleine Stück Brot mehr sättigt als die großen
Mahlzeiten. Dass ich
niemals satt werde nach diesem Brot. Dass ich
wie ein/e Verliebte/r Zwiesprache halte mit dem Stückchen
Brot. Dass ich
ein kleines Stückchen Brot mit Ehrfurcht umgebe. Dass ich
das Stück Brot verehre, weil es mich erinnert an den,
der sagte: Ich bin das
Brot. Dass an
diesem Brot mein Leben hängt, meine ganze Hoffnung. Weil ihr zu
schnell zufrieden seid. Weil ihr
gesättigte Satte seid. Weil ihr
den Hunger nach Leben verloren habet. Weil euer
Leben ohne Hunger kein Leben ist.
(Quelle
unbekannt) Ich wünsche Ihnen allen ein in
diesem Sinne „hungriges“ Fronleichnamsfest und dazu
wie immer Gottes Segen in Fülle Ihr/Euer
Pastor Thomas
Barton |