Ich frage mich des öfteren, haben wir eigentlich
dieses ("alt-testamentlich") festgelegte Denken überwunden?
Wenden nicht auch wir in den Grenzerfahrungen von Leid und Tod oft
dieses Erklärungsmodell an - vielleicht aus Hilflosigkeit und Angst?
Aber die Angst ist ein schlechter Ratgeber, sagt der Volksmund. Sie kann
uns blockieren. Sogar Jesus selbst – so berichtet uns die Hl. Schrift
– hat Angst gehabt: Und er betete in seiner Angst noch inständiger,
und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte. (Lk 22,44)
Dieser Text macht mich immer wieder betroffen, denn
er zeigt mir Jesus, der wirklich Mensch war – einer von uns – und
der darum auch mitfühlen konnte, weil er mit und für uns gelitten hat.
"Blut" ist wohl eine Chiffre für das Leben selbst, d. h. er
hat sein eigenes Leben bis an die äußersten Grenzen hin riskiert und
hingegeben – und so für uns neues Leben erwirkt.
Erwartet Gott diese Hingabe auch von uns? Sollen wir
etwa unser Leben opfern, damit andere Leben können? Darauf gibt es kein
einfaches Ja. Denn wir erleben ja zur Zeit wieder mit Schrecken, wie
Menschen ihr Leben "opfern" oder "geopfert" werden,
um ein bestimnmtes Ziel zu erreichen, einer Ideologie wegen, die sogar
noch mit dem "Willen Gottes" übereinstimmen soll. Das kennen
wir Christen leider auch aus unserer leidvollen Geschichte. Das Böse
und Menschen verachtende in unserer Welt können und dürfen auch wir
Christen nicht ignorieren oder verharmlosen. Wir dürfen auch nicht so
naiv meinen, das Böse in unserer Welt werde sich schon irgendwie geben
und ändern. Aber wir dürfen auf der anderen Seite – wie es der Papst
in der letzten Zeit immer wieder betont und die Verantwortlichen
beschworen hat – auch nicht den Dialog aufgeben, sondern müssen nach
friedlichen Möglichkeiten suchen, um die schwerwiegenden Konflikte
zwischen den Völkern und den politisch Verantwortlichen friedlich zu
lösen - und nicht in der Anwendung von Gewalt das Heil zu suchen. –
Jesu Botschaft und sein Kreuz sind dafür der beste "Beweis".
"Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert
greifen, werden durch das Schwert umkommen." (Mt 26,52)
Liebe Schwestern und Brüder, rufen wir darum den
vielen, die mitunter als Träumer dargestellt werden, weil sie den
Frieden und menschenwürdige Lebensbedingungen für alle fordern,
ermutigend zu:
Christus hat den Tod überwunden. Er ist auferstanden
und lebt!