| Liebe
Mitchristen,
Die festliche Weihnachtszeit ist offiziell
beendet. Die liturgische Farbe ist im Regelfall wieder grün und nicht
mehr weiß, wie an Weihnachten. Der Schmuck in unseren Kirchen ist
reduziert worden.
Warum viele Menschen zu Hause die
Weihnachtsbeleuchtung brennen lassen und auch in vielen Kirchen die
Weihnachtsbäume noch stehen, dazu habe ich im vergangenen
Jahr etwas geschrieben.
Warum aber ist die Weihnachtszeit nur noch
zwei Wochen lang und geht nicht mehr bis zum Fest Darstellung des Herrn,
wie früher?
Als man im Anschluss an das Zweite
Vatikanische Konzil das Fest der Taufe des Herrn einführte und damit
die Weihnachtszeit beendete, da hatte man, so denke ich mir, zweierlei
im Sinn.
Zum einen wollte man wohl den Wert der Taufe
hervorheben, zum anderen steht wohl auch der folgende Gedanke dahinter:
Weihnachten ist das Fest des kleinen Kindes
in der Krippe. Die Taufe Jesu erfolgte etwa 30 Jahre später; es ist
also ein Fest des erwachsenen Jesus. An Weihnachten geht es nicht so
sehr darum, dass ein Kind geboren wird, sondern dass Gott in die Welt
kommt, zwar als Kind, aber ein Kind, aus dem ein Mann wird, der ernst
genommen werden will. Dieses abrupte Ende der Weihnachtszeit, das uns
mit dem erwachsenen Jesus konfrontiert, will uns sagen: "Hallo ihr
lieben Christen, bleibt nicht in eurem Glauben an das liebe kleine Baby
stecken, das höchstens mal laut schreit, wenn es Hunger hat oder die
Windeln voll sind, ansonsten die Menschen aber in Ruhe lässt." Mit
dem ganzen Geschehen um den erwachsenen Jesus macht Gott uns nämlich
deutlich: "Ich lass euch nicht in Ruhe, ihr seid mir viel zu
wichtig, als dass ich euch in Ruhe lassen könnte."
Gott wird Mensch, nicht nur als kleines Kind
in Bethlehem, das auf unsere Hilfe angewiesen ist, sondern auch als
erwachsener Mann aus Nazareth, der uns herausfordert. Der uns – wie
Johannes im Evangelium sagt – mit dem heiligen Geist und mit Feuer
taufen möchte.
An Weihnachten wird Gott Mensch, damit das
Reich Gottes auf die Erde kommt. Mit dem Fest der Taufe des Herrn fällt
der Startschuss, dieses Programm auch umzusetzen. Und das müssen wir
selber tun.
Das Lichtfest Darstellung des Herrn will uns
dazu erneut die Kraft. geben, falls diese seit Weihnachten schon etwas
schwächelt.
Ihnen allen wünsche ich eine helle Zeit und
verbleibe mit freundlichen Grüßen
Ihr/Euer Pastor
Thomas Barton |