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Weihnacht - Sylvester - Fastnacht Pater Pöpping schreibt am 7. Februar 2002 aus Ecuador:
Mein junger Mitbruder ist bis Mai auf Heimaturlaub in Indonesien, vorläufig bin ich also allein, und es geht auch so. Freilich, zu Weihnachten, da verlangten alle Siedlungen (24) ihre eigene Christkindsmesse, die "misa del nino", in ihrem jeweiligen "Bürgersaal", — da wurde es doch recht eng für uns zwei.Nach diesen Messen pflegen Mütter nach vorn zu kommen, heben ihr Baby vom Rücken und rollen es auf dem Boden hin und her, genau dort wo der Padre bei der Messe gestanden hat. Damit ist das Kind gegen Krankheit und böse Geister gefeit. Wenn sie das doch in meinem Häuschen täten, da bräuchte ich nicht mehr zu putzen... - und eine endgültige Sicherheit gibt diese Zeremonie auch wieder nicht, viele kleine Kinder sterben. Da wurde acht Monate nach dem Tod des Vaters ein Bübchen geboren und starb nach wenigen Tagen. "Ay Padrecito, taufen sie es doch noch ganz schnell, sonst kommt es ja nicht auf den Friedhof und nicht in den Himmel." Gott Dank, die Vorhölle für ungetaufte Kinder hat die Kirche ja wieder abgeschafft, und Weihwasser auf den kleinen kalten Körper ist Trost für die Mutter, in dem fensterlosen Wohn-Koch-Schlafzimmer. 20 Dollar gebe ich für den Sarg, ein weisslackiertes Holzkistchen. "Ja, Padre, da segnen Sie doch auch eben diese Kleidung, noch von meinem Mann, die kann ich bei dieser Gelegenheit dann gleich in sein Grab einbuddeln." "Wozu? Sie haben ihn doch damals schon mit Anzug und Poncho beerdigt." "0, wie ich ihn kenne, das hat er längst alles verschlissen." - Zwar Tränen im Auge, doch ganz resolut steigt sie in den öffentlichen Bus, Sarg und Kleidung auf dem Schoss, zum Friedhof. Zu Mittag muss sie zurück sein, da kommen die anderen Kinder aus der Schule und verlangen zu essen.Der Tod ist hier ein wohl trauriger aber doch natürlicher Teil des Lebens. Erinnert ihr euch an den verunglückten Maurer, der Frau und vier Kinder hinterliess? Als der Älteste jetzt 15 wurde, wollte er heiraten und brachte seine 22-jährige Braut mit nach Hause. Die Mutter gab ihm eins hinter die Ohren und wies dem Mädel die Tür. Es war um Silvester. Der Bub ging ins Maisfeld und schluckte seinen ganzen Vorrat an Knall-Erbsen. Tot. In der Zeitung war dann irgendwann zu lesen, dass diese Art des Selbstmordes geradezu Silvestermode sei unter liebeskranken Jugendlichen... Ja, wenn ein Mädchen 15 wird - das gibt ein Fest! Ganz in Rosa: das lange Kleid aus rosa Tüll, der Kranz über den schwarzen Zöpfen, die Tuchpantoffeln an den Füssen, ein rosa Engelchen trägt auf rosa Kissen rosane Damenschuhe vorweg in die Kirche (ausgeschmückt mit Blumen und Girlanden aus rosa Klopapier). Diese Schuhe muss der Padre segnen für den neuen Lebensweg, denn von nun an ist sie heiratsfähig, und in ihnen stöckelt die junge Dame dann nach der Messe rührend unbeholfen hinaus in die Welt —- und die ist doch weiss Gott gar nicht rosig, auch hier nicht. In den schon üblichen Januar-Krawallen wegen der fortdauernden schamlosen Dollar-Teuerung gab es wieder Tote und Verletzte bei Jugendlichen und Polizisten. Viele fürchten es könne hier so kommen wie in Argentinien. Oder auch wie in Kolumbien...Und doch kann das alles unsre Fasnacht in Caupichu nicht erschüttern! Das Spiel mit Wasser ist in vollem Gang - die amen Mädchen die es von allen Seiten kriegen! - und die noch ärmeren auf die keiner der Burschen zielt... Ja, Karneval heisst hier "Wasser", und natürlich auch Feuerwasser. Steh ich gestern, leerer Sonntagnachmittag, so vorm Haus. Gegenüber die Nachbarin hat quer vor ihre offene Hoftür ein Brett gelegt, von aussen daran hoch ein junges Hündchen winselt und jault, das Hindernis ist zu hoch. Bierselig torkelt ein "Bäuerlein vom Lande" an ihm vorbei, hält plötzlich inne, dann geht er die sieben Schritt zurück, hebt das Tierchen sanft und sachte über das Brett in den Hof, und torkelt weiter seines Wegs...Und ich, kühler Beobachter, der ich das ja auch gesehn aber nichts getan hatte, stehe beschämt da und muss gestehn: auch ein Betrunkener kann doch so manchem nüchternen Hochwürden noch ein Vorbild an Menschlichkeit sein!Noch habe ich keinen Termin für meinen Heimaturlaub, doch eine neue e-mail-Anschrift hab ich: hugo@verbodivino-ecu.org und über e-mail werde ich der Frau Schütte dann Bescheid geben - zum Weitersagen... |
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