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4. Rundbrief von Jan
Schleidweiler aus Bolivien
Samstag, 11 May 2002 14:17:53 (Ortszeit Bolivien)
Hallo alle zusammen!!
Ja es ist wieder einige Zeit vergangen und ich habe soviel
gesehen, was man eigentlich gar nicht beschreiben kann, sondern
gesehen haben muss, aber ich versuch es einfach mal:
Salar de Uyuni
Das Salar de Uyuni ist die grösste Salzwüste Südamerikas
(NS 140 km / OW 125 km). Sie liegt im SW Boliviens, schon nahe
der Grenze zu Chile. Die Stadt Uyuni selber ist total hässlich und hat nichts mehr zu bieten, als das Salar, einen
Eisenbahnfriedhof und einen total schlechten Anreiseweg durch
superschöne Landschaften. Ich hatte eine 4-Tages-Tour
gebucht, die mich am Eisenbahnfriedhof vorbei, durchs Salar zu
den Lagunen, Vulkanen, Rauchfontänen und
"Matschblubberquellen" brachte.
So ein Eisenbahnfriedhof hat schon irgendwie was. Auf den
weissen Steinen der Stein"wüste" stehen die vielen,
schon schwarzrostigen Dampflokomotiven, Kohlewagen und Wagons
und verrotten vor sich hin. Das hört sich jetzt
wahrscheinlich nicht so überwältigend an, stellt aber
einfach ein super Bild dar.
Das Salar war zur Zeit meiner Durchfahrt mit so ungefähr
10-15 cm Wasser bedeckt, was es aber glaube ich noch
beeindruckender bzw. schöner machte. Der Jeep war schon nach
kurzer Zeit mit einer 1 cm dicken Salzschicht von oben bis
unten bedeckt, was zwar dazu führte, das man nicht mehr so
viel sah, was aber nichts aus machte, da wir viele Pausen
machen mussten, um den Kühler wieder von seiner Salschicht zu
befreien. Wir hatten strahlenden Sonneschein, was den
Spiegeleffekt des Salars natürlich noch unterstützte. Das
will heissen, dass die Berge in der Ferne sich im Salar
spiegelten und das man keinen Horizont sehen konnte, da Salar
und Himmel eine Sache bildeten.
Am nächsten Tag ging es durch eine Stein-Sand-Wüste,
vorbei an rauchenden Vulkanen in der Ferne und riesigen
Felsbrocken im Sand, die mehr aussahen, wie künstlich
hingestellt, als natürlich dorthin gelangt. Nachmittags kamen
wir an der ersten Lagune an. Verrückt, inmitten diesem Nichts
aus Sand und Stein in sengender Hitze auf einmal ein riesiger
See, an dem zudem noch Flamingos leben. Es folgten noch viele
Lagunen, jedesmal mit Flamingos und fast jedesmal eine andere
Farbe, da bald jede andere Mikroorganismen enthält, die das
Wasser in einer anderen Farbe erscheinen lassen. Der folgende
Tag führte zu den "Matschblubberquellen" und
Rauchfontänen. Sich früh morgens, in eisiger Kälte die
hababgefrorenen Hände an heissem Rauch zu wärmen hat schon
was. Danach fuhren wir weiter zu den warmen Quellen, die in
eine der Lagunen fliessen, zum Morgenbad. Es kostet schon
einige Überwindung, sich in Eiseskälte in seine Badekleidung
zu begeben, doch die Belohnung kommt dann im heissen Wasser.
Ja, soviel zu meiner Reise durch die Pampa von Uyuni und
weiter mit meiner Reise nach Santa Cruz.
In Santa Cruz war ein Freiwilligentreffen
für dt. Freiwillige aus ganz Lateinamerika. Es waren auch fast
alle Länder vertreten, sogar aus Mexiko kamen Freiwillige
angereist. Es war ganz interessant, die kulturellen
Unterschiede, allein schon in Sachen Sprache, kennenzulernen.
Inhaltlich ging es dann um Probleme, die man in den Projekten,
mit den Verantwortlichen oder mit der anderen, neuen Kultur hat
und was sonst noch alles zur Sprache kommt, wenn man schon über ein halbes Jahr im Ausland ist.
In der Hälfte des Seminares gönnten wir uns dann eine
Pause und machten einen Ausflug. Wir mieteten uns einen LKW
und ab ging es in den Dschungel zu traumhaften Wasserfällen.
Naja, wir kamen auch ganz nah mit dem LKW an die Wasserfälle
heran, mussten dann aber doch noch ein Stück zu Fuss gehen,
da der LKW-Fahrer nicht mehr weiterfahren wollte, nachdem wir
den LKW endlich wieder aus dem Schlamm bekommen hatten, in dem
sogar ich bis über die Knie versunken bin. So konnten wir uns
aber wenigstens noch mehr auf das nahende Bad freuen. Inmitten
von tropischen Pflanzen konnten wir uns ausgiebig von Schlamm
und Schweiss unterm Wasserfall befreien und ein paar wunderschöne Stunden verleben.
In der Nähe von Santa Cruz gibt es auch noch riesige Sanddünen. Sie bilden ein total unwirkliches Bild. Inmitten
von sattgrüner Grasebene ragen auf einmal meterhohe Sandberge
in die Höhe. Richtige Dünen, Massen von Sand, so das man auf
einmal meint, man stehe in der Sahara und die kleinen Seen
zwischen den Dünen mit Grasufer und grasenden Pferden wären
Oasen. Wirklich ein Bild für Götter, da man so etwas ja beim
besten Willen im tropischen Tiefland Boliviens nicht erwartet,
zumal Bolivien kein Meer besitzt.
Ja, dieser Rundbrief war diesmal mehr nur ein Reisebericht,
aber mit den ausführlichen Beschreibungen meiner Reisen, möchte ich nur die Vielfalt Boliviens darstellen.
Natürlich
bin ich hier nicht nur auf Reisen, so wie es den Anschein
haben könnte, aber in Serrano, wo ich arbeite, ist zur Zeit
nicht so viel passiert, auf jedenfall nichts erwähnenswertes,
und deshalb gibt es diesmal nur meinen Reisebericht.
Es fällt mir mittlerweile immer schwerer Rundbriefe zu
schreiben, da ich nicht wirklich weiss, was euch noch
interessiert. Also, wenn ihr noch Fragen habt, dann mailt sie
mir bitte und ich werde sie im nächsten Rundbrief berücksichtigen.
In diesem Sinne auf bald und die besten Grüsse aus
Bolivien
Euer Jan
eMail für Jan: hugothej@hotmail.com
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