Was passiert, wenn die Messe zum "gestalteten Gottesdienst" wird?

Collage Tod und Auferstehung - aus dem Kreuzweg von Margarete Ehlert

7 Thesen eines katholischen Laien
zum möglichen Eintritt der Gottesferne (Ex 33,3)
bei den „Anbetung Gottes" (SC 33) zu seienden Gottesdiensten unserer Zeit,
denen entgegen dem Willen der Kirche
eigenmächtig etwas hinzugefügt, weggenommen oder geändert wurde.

von Liudger Berresheim

1. Jeder liturgische Kult bedarf einer gewissen Form und Ordnung (Ritus), der von einem bestimmten Personenkreis (Priester) versehen mit Vollmacht (Kirche) vollzogen wird, um das Ziel (Anbetung Gottes) verwirklichen zu können. Dieser Kult ist die Feier der Eucharistie.

2. Daraus folgt, das der Kult nicht „beliebig" gestaltet und nicht im „eigenen Namen" verrichtet werden kann und über die Anwesenden hinaus ragen muss.

3. Um dies zu erfüllen und zu sichern bedarf es einer Autorität, die den Kult ordnet, ihn autorisiert als auch einer Autorität, die ihn einsetzt und das Ziel benennt. – Dies ist Gott selbst.

4. Gemäß dem biblischen Bericht vom Auszug des Volkes Israel, wußte auch Mose zunächst nicht, wie sie Gott dienen können (Ex 10,26), ehe Er sich ihnen offenbarte (Ex 12,1-33) und mit der Weisung „Höre Israel" (Dtn 6,2) dem Kult Bestand verlieh.

5. Die Eucharistie des Neuen Bundes - die naturgemäß im Kult des israelitischen Volkes wurzelt, weil es nur einen Gott gibt, der sein Volk schuf, um sich ihm zu offenbaren (Propheten), damit alle Völker, wenn Er sich zeigt (Christus), das Heil erlangen, das in der Freude der ewigen Anschauung Gottes besteht (Ziel der Menschheitsfamilie, vgl. GS 10) - erneuert und bekräftigt die kultische Weisung („Tut dies zu meinem Gedächtnis") bis sie einst ihre Vollendung in der Gemeinschaft des liebenden Gegenüber Gottes in Seinem „Du" findet.

6. Durch alle Zeiten hindurch hat die Kirche – die das liebende Gegenüber Gottes ist – daher unermüdlich Sorge für die Reinheit der eucharistischen Feier getragen. Das II. Vatikanische Konzil formuliert: Die Eucharistie ist „vor allem Anbetung Gottes" (SC 33), in ihr „feiert die (ganze) Kirche" (SC 26) in „Einheit mit der himmlischen Kirche" (LG 50) und singt „aufs innigste mit dem Kult der himmlischen Kirche verbunden" (ebda) „den Lobgesang der Herrlichkeit" (SC 8). „Die Gläubigen sollen durch die Eucharistie das österliche Geheimnis tiefer erkennen und leben" (CD 15) und lernen, sich selbst mit ihrem Leben als Opfer darzubringen vor Gott (vgl. SC 48) und die Welt durch ihr Glaubensbekenntnis Gott zu weihen (vgl. LG 34), damit „Gott alles in allem sei" (SC 48). „Einzig der Autorität der Kirche" (SC 22,1) steht daher die Ordnung der Liturgie zu. „Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern" (SC 22,3), weil sie nicht Feier des einzelnen, sondern immer Feier der Kirche (SC 26) ist. Daher ist jeder im religiösen Gehorsam gehalten, die vorgelegte Lehre gläubig anzunehmen (LG 25). Dies bekräftigt das Kirchenrecht (CIC 752, CIC 846), die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia (Nr. 52) und weitere kirchliche Lehrschreiben bis hin zu Papst Benedikt XVI.: „Liturgie [ist] eben nicht eine ‚Selbstveranstaltung‘ der Gemeinde, die sich dabei einbringt, wie man so schön sagt, sondern das Heraustreten der Gemeinde aus dem bloßen Selbersein" (Ansprache am 7.11.06 an die Bischöfe der Schweiz).

7. Doch was „passiert", wenn die Eucharistie zu einer „Selbstveranstaltung" der Gemeinde wird?
Ein dramatisches Beispiel gibt der biblische Bericht über den Tanz um „das goldene Kalb" (Ex 32,1-9). Aarons Untreue ist subtiler, als die zunächst erscheinende Anbetung fremder Götter: Er ist auf Drängen des Volkes zum „Kult aus eigener Vollmacht" geworden, ein „Herunterziehen Gottes ins Eigene" und „wird so zum Fest, das die Gemeinde sich selber gibt... Aus Anbetung Gottes wird ein Kreisen um sich selber" (Joseph Cardinal Ratzinger: „Der Geist der Liturgie, Herder 20026, S.18f). Mit der schlimmen Folge, dass Gott sich zurückzieht: „Ich selbst ziehe nicht in deiner Mitte hinauf, denn du bist ein störrisches Volk" (Ex 33,3) heißt es nur wenige Verse weiter.

 

Anmerkung:

(siehe auch den "Kommentar")
Nimmt man die Predigt Papst Benedikts XVI. in München, wo er der deutschen Kirche ob ihres sozialen weltweiten Engagements, die gleichzeitig Projekte der Evangelisierung als zweitrangig sieht, dankt und mahnt, vergleicht die päpstlichen Messfeiern, im Besonderen die Vigilfeier beim Weltjugendtag in Köln, mit den allgegenwärtig hier „gestalteten Gottesdiensten", ist als auffallender Unterschied die Beachtung der „Ordnung" offenkundig, so dass bei ersteren selbst professionelle Fernsehjournalisten ergriffen still werden während jene dem Anschein nach kaum das Weltliche verlassen. Liest man das Buch „Wovon wir leben können" von Kardinal Schönborn, zum weiteren Verständnis Scott Hahns „Das Mahl des Lammes", befasst sich mit dem „Geist der Liturgie" (Ratzinger) und hört auf das, was das Konzil gesagt und verbindlich geschrieben hat, dann ist für mich mit hinlänglich logischer Kausalität gegeben, dass aus der zwar gemeinten und gewollten Anbetung Gottes durch den Ungehorsam gegenüber Gott und der Kirche auch bei unseren „Gottesdiensten" die Realität der Gottesferne gemäß Exodus 33 als Konsequenz aus dem Tanz um „das goldene Kalb" eingetreten ist, womit die Ursache der vielfach beklagten heutigen Probleme beschrieben ist: Wo Gott sich fern hält, kann sein Ruf umso schwerer nur vernommen werden.

 

 

 


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